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Der Aufstand der Bauern



Als ich heute Morgen bei klirrender Kälte meine Mini Rebels in die Kita brachte, fuhren schon die ersten Traktoren an mir vorbei. Es war noch nicht hell, da waren sie mit ihren Familien schon auf dem Weg zu einer Demo, wie sie Deutschland seit Jahrzehnten nicht gesehen hat.

Und während die Zeitungen, egal welcher politischen Richtung, sich fragten, ob die das überhaupt dürfen, finde ich: Ja, die dürfen das.

Also habe ich ihnen zugewinkt, mit zwei Daumen nach oben. Und als sie zurück hupten, fühlte ich mich als Teil von etwas, das längst überfällig ist in diesem Land: Dass Menschen auf die Straße gehen und sich gegen diesen ganzen Irrsinn zur Wehr setzen und uns daran erinnern, wer eigentlich in diesem Land das Essen auf den Tisch bringt. Die Ampel ganz sicher nicht mit ihren unermüdlichen Preiserhöhungen bei Lebensmitteln und Strom… die wir beide brauchen, um eine Mahlzeit zuzubereiten.


IGNORANZ REGIERT DAS LAND


Bevor die Sonne richtig aufgegangen war, brüllten schon alle wieder AfD und wie auch Rechtsradikale auf den Treckern sitzen und wie wir alle von Gewaltbereitschaft in unseren Grundrechten bedroht seien. Habeck bringt mit besorgter Miene auf Instagram Nazi-Begriffe ins Spiel, die Allzweckwaffe dieser Zeit. Und bürdet den Finanzbetrug, begangen von der Regierung, der in letzter Sekunde vom Bundesverfassungsgericht gestoppt wurde, nun den Bauern als Erklärung dafür auf, warum ihre Finanzforderungen nicht erfüllt werden könne. Echt jetzt?


Ich verabscheue die völkischen Ansichten der AfD. Ich habe nicht einen Augenblick begriffen, wie sich Rechtsradikalismus in diesem Land auf so fürchterliche Weise wieder ausbreiten konnte... und das seit viel zu langer Zeit.

Aber ich verabscheue auch, wenn der Landwirtschaftsminister von "feuchten Träumen" spricht, weil Landwirte mit dem Wirtschaftsminister sprechen möchten und andere angeblich anspruchsvolle Journalisten darüber, welch dumme Kartoffeln die Bauern dieses Landes seien. Es war derselbe, der Menschen, die Zweifel an der Corona-Impfung hatten, den Satz zurief: "Möge die ganze Republik mit dem Finger auf sie zeigen!"

Soll nun die ganze Republik mit dem Finger auf die Bauern zeigen, die den Diesel für die Landwirtschaftsmaschinen nicht weiter verteuert haben wollen? Eher nicht!

Wo sind wir eigentlich gelandet mit unserer Sprache, unserer Schuldzuweisung, unserer Selbstgerechtigkeit?




Auch, wenn wir dank Zöliakie den Weizen, den Roggen, die Gerste nicht essen können: Jeden Tag sorgen die Bauern dafür, dass Essen auf den Tischen steht. Getreide, Butter, Milch, Obst, Gemüse. Egal, mit wem ich sprach: Alle waren auf der Seite der Menschen, die durch den grauen Morgen rollten, um nicht noch weiter finanziell drangsaliert zu werden. Ihnen auf den Fersen: Kraftfahrer, deren Mautgebühren erhöht wurden. Bäcker, die sich den Strom nicht mehr leisten können. Fleischer, denen aus ökologischen Gründen der Saft abgedreht werden soll. Sie alle sind Teil unserer Nahrungskette, an deren Ende wir alle sitzen und eine Preiserhöhung nach der nächsten in Kauf nehmen müssen.


Insofern: DANKE jedem Landwirt und seiner Familie, dass sie alle morgens früh für uns aufstehen, 7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr und dafür sorgen, dass wir gutes Essen haben in diesem Land.


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